Wie viel CO₂ speichern Graslandschaften? | Klimawandel
- Anastasia Michailova
- vor 1 Stunde
- 4 Min. Lesezeit
Savannen, Wiesen oder einfach nur der Rasen vor deinem Zuhause – Gras ist ein unterschätzter Partner im Kampf gegen den Klimawandel. Wie viel Kohlenstoff bzw. Kohlendioxid binden diese Flächen wirklich? Und wie kann man die CO₂-Speicherung der Böden weiter verbessern? Hier erfährst du alles!

Wie viel CO₂ speichert Gras?
Es gibt zwei Arten von Flächen, auf denen Gras und andere krautige Pflanzen wachsen: natürliches Grünland (auch Grasland oder Urgrasland genannt) zu dem Steppen, Savannen und Prärien gehören – aber auch das „menschengemachte“ Grünland wie Weiden und Wiesen, die vor allem landwirtschaftlich genutzt werden oder der Landschaftspflege dienen.
Gasland-Ökosysteme machen etwa 40,5 Prozent der Erdoberfläche aus (Wälder „nur“ ca. 30 Prozent) und bedecken damit rund 52,5 Millionen Quadratkilometer dieses Planeten. Es gibt sie auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Graslandschaften sind nicht nur wahre Hotspots für Artenvielfalt und tragen zur Nahrungsmittelproduktion (z. B. Mahd) bei – sie binden auch große Mengen Kohlendioxid, was sie zu natürlichen Kohlenstoffsenken macht. Ein einziger Hektar humusreiche Wiese kann 180 Tonnen CO₂ speichern, so die Universität für Bodenkultur Wien. Wie funktioniert das?
Wenn Gras wächst, betreibt es Photosynthese. Dabei zieht die Pflanze Kohlendioxid (CO₂) aus der Atmosphäre und spaltet das Gas in Kohlenstoff (C) und Sauerstoff (O₂). Der Kohlenstoff wird als Biomasse (Zucker) gespeichert – bei Gräsern zu 90 Prozent als unterirdische Wurzelbiomasse. Das nennt man dann „organischen Bodenkohlenstoff“. Der Sauerstoff wird zurück in die Atmosphäre abgegeben und ist wichtiger Bestandteil unserer Atemluft. Das Treibhausgas „Kohlendioxid“ wird während dieses Prozesses vollständig abgebaut und damit unschädlich gemacht. Alle Lebewesen, die Photosynthese betreiben, spalten CO₂ – zum Beispiel Bäume und Algen.
Auch interessant: „Wie viel CO₂ speichert ein Baum?“
Wichtig! Wenn die Rede davon ist, dass Pflanzen Kohlendioxid speichern, meint man eigentlich die Speicherung bzw. Einlagerung von Kohlenstoff, bei der Kohlendioxid aufgespalten wird.
Klimawandel: Warum Graslandschaften in Gefahr sind.
Graslandschaften binden rund 34 Prozent (ein Drittel) des terrestrischen Kohlenstoffs. Aber 90 Prozent der ursprünglichen Grasflächen in den gemäßigten Klimazonen sind bereits in landwirtschaftliche Flächen und Siedlungen umgewandelt worden. Natürliche Böden werden versiegelt oder durch Ackerflächen ersetzt. Zwar binden Ackerflächen auch Kohlenstoff, aber ausgedehnte Monokulturen senken die CO₂-Speicherkapazität des Bodens.
Hinzu kommt, dass der Klimawandel selbst durch Trockenheit und Dürren dafür sorgt, dass bestimmte Vegetation immer schlechter gedeiht. Vertrocknetes Gras ist jedoch nicht mehr in der Lage, Kohlendioxid zu speichern und verliert damit seine klimaschützende Wirkung. Hier kannst du dir ein kurzes Video ansehen, in dem du erfährst, wo Trockenheit und Dürren in Deutschland besonders dramatisch sind:
Grasland ist wichtig für das Klima und die Artenvielfalt.
Graslandschaften wurden als Mittel zum Klimaschutz bisher vernachlässigt. Dabei ist intaktes Grünland ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen die Erderwärmung. Außerdem bieten diese Ökosysteme wichtige Lebensräume für zahlreiche Pflanzen und Tiere.
Eine Studie von US-amerikanischen und chinesischen Wissenschaftlern fand heraus, dass die Pflanzenvielfalt von Graslandschaften die Aufnahme von organischem Bodenkohlenstoff erhöht. Anders ausgedrückt: Je mehr unterschiedliche Pflanzen in einem bestimmten Bereich wachsen, desto mehr CO₂ wird dort gebunden. Eine wichtige Rolle dabei spielt Humus. Er ist sozusagen der organische Teil des Bodens, steckt voller Nährstoffe und entsteht durch das komplexe Zusammenspiel von Pflanzen, Mikroorganismen, Insekten und Pilzen. Humus ist ein guter Marker für die Bodengesundheit und besteht zu 58 Prozent aus Kohlenstoff. Dieser nährstoffreiche Boden ist die beste Voraussetzung für eine optimale Pflanzenvielfalt und effektive CO₂-Speicherung.
Unglaublich! Menschengemachtes Grünland, insbesondere Weideflächen für Tiere, sind dabei genauso wichtig, wie natürliches Grasland. Große Weidetiere wie Rinder können nämlich die CO₂-Speicherkapazität des Bodens verbessern, wie dänische Wissenschaftler herausgefunden haben:
„Vor allem große, pflanzenfressende Wildtiere können helfen, den Kohlenstoffkreislauf zu beleben und große Mengen Kohlenstoff im Boden einzulagern. Tiere reißen den Boden auf der Suche nach Nahrung auf, sie scharren, graben und wühlen, während sie an anderen Stellen den Boden verdichten, indem sie in großen Gruppen darübertrampeln. Außerdem fressen sie die Vegetation an der einen Stelle weg und scheiden die darin enthaltenen Nährstoffe an einer anderen wieder aus. Nicht zuletzt fördern sie die Fortpflanzung von Bäumen, indem sie die Samen transportieren“ – Jens-Christian Svenning, Universität Aarhus in Dänemark

Allerdings stoßen Rinder durch ihre Verdauung auch Treibhausgase aus. Hier erfährst du mehr: „Wie viel Methan stößt eine Kuh wirklich aus?“
Klimaschutz: 4 Wege, wie Grasland mehr CO₂ speichern kann
Die Fähigkeit des Bodens, Kohlenstoff zu binden und damit CO₂ aus der Atmosphäre zu ziehen, kann verbessert werden. Hierfür gibt es verschiedene Ansätze:
1. Biomasseproduktion erhöhen
Vielfältige Pflanzengemeinschaften mit tiefwurzelnden Gräsern anstelle von Monokulturen fördern
Dauerbegrünung für kontinuierliche Photosynthese ermöglichen
2. Weidewirtschaft optimieren
Tierherden ggf. verkleinern, da zu starke Beweidung den Humusabbau fördert
Wechselweiden und Ruhephasen für die Vegetation einrichten
3. Böden schonen
Auf intensive Bodenbearbeitung verzichten, da mechanische Eingriffe wie das Pflügen zu Kohlenstoffverlusten im Boden führen
Natürlichen Dünger nutzen, da z. B. Kompost und Mist den Humusgehalt erhöhen
Zusätzliches Mulchen, was für Bodenbedeckung sorgt und vor Erosion schützt
4. Wasserhaushalt verbessern
Starke Verdichtung vermeiden, da z. B. das Befahren mit großen Maschinen den Luft- und Wasserhaushalt im Boden beeinträchtigt und das Wurzelwachstum reduziert
Agroforstsysteme aufbauen, bei denen Bäume und Sträucher mit Graslandschaften kombiniert werden, um zusätzlichen Kohlenstoff zu binden und gleichzeitig das feuchte Mikroklima zu fördern (Verwaldung und Verbuschung vermeiden)
Klimawandel: 3 wertvolle Büchertipps
Quellen bzw. weiterführende Links
(1) Science: „Grassland soil carbon sequestration: Current understanding, challenges, and solutions“
(2) Science: „The history and challenge of grassy biomes“
(3) Spektrum: „Graslandschaften, die unterschätzten Alleskönner“
(4) Austria Presse Agentur: „Die Natur inhalieren lassen“
(5) Nature Climate Change: „Trophic rewilding can expand natural climate solutions“
Offenlegung als Amazon-Partner: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links, durch die Provisionen bei qualifizierten Verkäufen verdient werden.